Matchbericht Volley Münsingen vs. VBC Lyss Damen 2 - Generationen-Talk
Generationen-Talk
Gen Z: «Also mal ehrlich, wer hat sich diese Matchzeit ausgedacht. Mein Körper hätte gerne noch etwas länger geschlafen.»
Babyboomer und Millennial runzeln kurz die Stirn. Der eine kennt das Phänomen der senilen Bettflucht und ist sowieso schon seit Stunden wach. Die andere hat den Wecker mit minutiös durchgetaktetem Übereifer bereits am Vorabend auf Punkt acht gestellt. Schlaf ist schliesslich eine Frage der Organisation.
Während Gen Z innerlich noch mit dem eigenen Biorhythmus verhandelte, war für den Babyboomer längst klar: Wer früh genug aufsteht, hat auch mehr vom Tag. Und die Millennial? Hatte natürlich alles im Griff. Schliesslich war der Zeitplan eingehalten.
Doch egal, wie viele Stunden Schlaf auf dem Konto standen und in welcher Gemütsverfassung sich die einzelnen Generationen befanden: Der Match war angesagt, Ausreden zwecklos. Also verfrachteten sich alle in die bereitstehenden Autos und machten sich auf den Weg nach Münsingen.
Kaum auf dem Beifahrersitz Platz genommen, mutierte der Babyboomer kurzerhand zum selbst ernannten Fahrlehrer. Mit imaginärem Bleifuss, provozierendem Verhalten gegenüber dem restlichen Verkehr – es wurde sogar der Vogel gezeigt - wurde die Fahrt zum ersten generationenübergreifenden Belastungstest des Tages (nur ein Joke Babyboomer – selbstverständlich bist du ein angenehmer Beifahrer 😉).
Alles gut gegangen, kein Generationenmord erfolgt. In der Halle erwartete uns allerdings eine Überraschung. Kein Schiedsrichter auf Platz. Welche Generation hatte da wohl nicht sauber gearbeitet? War der Babyboomer beim Waldspaziergang morgens um 05.00 von einem Wildschwein angegriffen worden? Hatte ein Millennial vergessen den Wecker zu stellen? Oder war es gar die Generation Z, die sich an diesem Morgen schlicht nicht bereit für diese Aufgabe fühlte und deshalb zu Hause noch im Meditationsmodus verweilt. Oder hatte Gen Alpha einfach eine KI beauftragt, den Schiedsrichter zu ersetzen?
Wir werden es wohl nie herausfinden. Die Spielerinnen des Gegners stellten sich abwechslungsweise als Schiedsrichter zur Verfügung. Fairplay war angesagt.
Gen Z: «kein Problem, wir lassen uns nicht aus der Ruhe bringen und bleiben freundlich. Good Vibes only».
Millennial leise vor sich hin murmelnd «also mal ehrlich, was ist den das für eine Organisation. Das geht so in der Arbeitswelt aber dann nicht. Zuständigkeiten sind nicht geklärt, fehlende Prozessorganisation».
Gen Z: «Wir spielen fair. Fehler werden zugegeben.»
Babyboomer: «Sie geben aber ihre Fehler auch zu?! Nicht nur wir oder?!».
Gen Z, Gen Alpha und Millennial: kollektives Augenrollen
Babyboomer: «Also dann, geben wir unser Bestes. Los geht’s.»
Millennial: «die wievielte Tube Voltaren war das wohl schon. Wäre wohl ein gutes Weihnachtsgeschenk. Memo an mich. Eltern darüber informieren, dass Voltaren ein gutes Weihnachtsgeschenk wäre».
Gen Z: «Ein Kaffee wäre jetzt recht nice».
Gen Alpha: «wieso ist es so kalt in dieser Halle, echt uncool».
Die Voraussetzungen waren geschaffen, alle waren mental (zur Not auch mit einem kleinen Schnaps), physisch parat oder zumindest mit ausreichend Voltaren auf Betriebstemperatur gebracht. Der erste Satz startete fulminant. Schon beim Einschlagen hatten wir ein erstes Mal an den starken Angriffen der Gen Z-Gegnerinnen schnuppern können. Doch wir hielten gut mit, auch wenn bei den ersten 5 Punkten die Passeuse gefühlt nie den Ball berührte. Stück für Stück kamen wir dann auch in den Match und holten uns schön herausgespielte Punkte. Allerdings bewegten wir uns leistungsmässig in einem etwas eigenwilligen Wechselbad: mal auf Augenhöhe mit den Gegnerinnen mit kontrolliertem Volleyball, manchmal mit kollektivem Rumeiern. Es kam wie es kommen musste und wir verloren gegen Ende des Satzes den Anschluss.
Gen Z: «mal ehrlich, wie schwierig ist es auf 3 zu zählen? Bei drei sollte dann der Ball schon übers Netz»
Gen Z zu Gen Alpha: «nimmst du den Ball oder soll ich?»
Millennial: «Müsste mich wohl mal nach einem Seniorinnenteam erkundigen. Das geht mir zu schnell».
Wir sind dran, es fehlt nicht viel. Das Rumgeeiere noch ausmerzen und dann werden auch die Satzresultate zu unseren Gunsten sein. Mit dieser Erkenntnis und einer ordentlichen Portion Optimismus starteten wir in Satz zwei und schlitterten gleich wieder raus, mit blauen Ellbogen, angeknacksten Handgelenken und ziemlich bedröppelten Mienen. Das war mir Verlaub unterirdisch. Kurz wurden wir in die guten alten Zeiten zurückversetzt, wo uns Teams nur mit einem druckvollen Anspiel den Garaus gemacht haben. Annahme? Schwierig. Spielaufbau? Eher experimentell. Angriff? Sofern der Ball überhaupt noch bis dorthin gelangte.
Nun wir können mehr. Also dann, irgendwo zwischen Selbstzweifeln und Voltaren-Tuben war sie da, die noch namenlose Teamgeistin.
Babyboomer: «Echt jetzt. Wir können mehr. Zurück zur Anfangsaufstellung».
Millennial: «Trainer, wie ist die Aufstellung?»
Gen Z: «Hat er doch gerade gesagt! Anfangsaufstellung! Hörst du auch mal zu.»
Millennial: «Uppsi…mein Memo war noch nicht fertig».
Satz drei. Motto: wir retten unsere Ehre. Zumindest soweit, dass wir wiederum lange und gut mithalten konnten. Es gab schöne Spielzüge, beherzte Rettungsaktionen und sogar eine formidable Aufholjagd. Hoffnung keimte auf, dass wir den Gegnerinnen doch noch einen Satz abluchsen könnten. Die Stimmung war zurück, der Kampfgeist geweckt. Die namenlose Teamgeistin schwebte über allem. Reichen, für einen Satzgewinn, tat es dann trotzdem nicht. Es war aber auch keine unterirdische, blamable oder «wir verstehen Volleyball als Fremdwort» Leistung.
Babyboomer: «habt ihr gut gemacht».
Gen Z, Gen Alpha + Millennial: «wir sind zufrieden und haben gut gespielt».
Babyboomer: «darauf lässt sich aufbauen».
Und tatsächlich: So schlecht war das alles gar nicht. Wir haben gekämpft, gelacht, gehadert, gerollt, gehechtet und uns gegenseitig wieder aufgerichtet. Die eine Generation brauchte dafür etwas mehr Voltaren, die andere etwas mehr Kaffee und die Jüngste vermutlich einfach eine wärmere Halle.
Fazit aller Generationen: Rumeiern verbindet uns alle.
Autor: # Nr. 4 Martina
Martina
Das Team bestimmt Martina zum "Most Valuable Player" (englisch für wertvollste/r Spieler/in) weil: verteidigte stark gegen die druckvollen Angriffe oft inklusive unüberhörbarer Showeinlage 😉.
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